Grundlagen der Fahrwerkseinstellung

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Dem Fahrwerk sollte immer etwas Beachtung geschenkt werden, damit Mängel rasch erkannt werden.
Mit einem mangelhaften Fahrwerk zu fahren macht keinen Spass, scheint aber aus Ahnungslosigkeit allgemein verbreitet zu sein.

Regelmässige Wartungsarbeiten:

Die Gabel sollte mind. 1 mal im Jahr eine neue Füllung Gabeloel erhalten.
Beim regelmässigen Entlüften kann man fesstellen, ob sich ein Holm übermässig aufpumpt, was auf einen Dichtungsproblem hindeutet.
Stellt man fest, dass sich Oel auf den Gleitrohren befindet, sollte man mit einer Revision nicht zu lange warten.
Vor jeder Fahrt Leichtgängigkeit und Dämpfverhalten (vorn und hinten) überprüfen, indem man ein paarmal durchfedert.
Dabei entwickelt sich mit der Zeit ein Gefühl, wie es sein sollte und mit diesem Gefühl lässt sich ein Defekt der Dämpfung feststellen.
Tipp: Auch ab und zu ein fremdes Motorrad durchfedern, damit man Vergleichsmöglichkeiten hat.
Wenn während dem Fahren die Dämpfung des Federbeins nachlässt, ist es Zeit, das Federbein von einer Fachperson revidieren zu lassen,
da warscheinlich die Stickstofffüllung nicht mehr den vollen Druck hat und/oder das Oel alt ist und evtl. sogar Gasbläschen aufweist.
Lenkkopflager, Schwingenlager und Umlenkhebelei regelmässig schmieren und auf Spiel und Leichtgängigkeit überprüfen.
Gabel auf Parallelität überprüfen.

Richtige Einstellung von Federvorspannung und Federhärte:

Durchhang: Abstand zwischen voll Ausgefedert (wie im Sprung) und Eingefedert, gemessen von Hinterachse senkrecht hoch zum Ramenheck.
Unbeladener Durchhang:
Wieviel die Maschine unter dem eigenen Gewicht einsackt.
Renn-Durchhang:
Wieviel die Maschine einsackt, wenn der Fahrer mit der ganzen Uniform (Panzer, Helm, Stiefel, u.s.w) auf den Fussrasten steht.

Hinterradaufhängung:
Unbeladener Durchhang
: 17-25mm
Renn-Durchhang: 90-105mm

Gabel:
Unbeladener Durchhang:
35-55mm

Alle o.g. Angaben sind grobe Richtwerte für eine durchschnittliche MX- oder Enduromaschine.
Diese Grössen und der Gabelüberstand sind fürs Handling sehr wichtig und werden oft beim Tuning übersehen.
Sie sollten eigentlich stimmen, bevor man an der Dämpfung herumschraubt.


-= Vorgehensweise beim Einstellen der Dämpfung =-

1. Renn-Durchhang einstellen

zu beachten: Wenn dann hinten der unbeladene Durchhang zu gross ist (25mm oder mehr), so ist die Feder zu hart.

Grund: Um für einen leichten Fahrer den Renn-Durchhang richtig einzustellen, muss die Federvorspannung verkleinert werden.
Das Bike fühlt sich beim Bremsen hinten zu tief und müde an und beim Beschleunigen zu hoch und bockig.
Es wird schwierig in einer Kurve einer Rille zu folgen. Ist bei einem schwereren Fahrer der u
nbeladene Durchhang zu klein, sollte eine härtere Feder verwendet werden, sonst fühlt sich das Bike beim Anbremsen hinten zu leicht an und beim Beschleunigen werden Unebenheiten schlecht geschluckt.

Mit dem Durchhang vorn, hinten und dem Gabelüberstand (bei oberen Gabelbrücke) kann man die Lage des Motorrads beeinflussen (und damit den Nachlauf des Vorderrads)

-Vorn hoch, hinten tief: grosser Nachlauf, d.f. stabiler Geradeauslauf aber nicht wendig.
-Vorn tief, hinten hoch: kleiner Nachlauf, d.f. wendig aber unstabiler Geradeauslauf.

Daraus ist auch ein erwünschter Effekt ersichtlich: Ein Motorrad ist beim Beschleunigen Vorne hoch, d.h. Spurstabil und beim Bremsen tief, so dass es willig in die Kurve geht.
Symptome für falsche Lage des Motorrads: (Man muss sich bewusst sein, dass die beschriebenen Symptome auch auftreten bei falscher Körperhaltung, falscher Gewichtsverlagerung und unsauberem Timing von Körper, Bremsen und Gas.)
-Vorn zu hoch (hinten zu tief):
Vorderrad rutscht weg beim einlenken, Motorrad will nicht so leicht in die Kurve fallen
-Vorn zu tief (hinten zu hoch):
Beim Beschleunigen und hoher Geschwindigkeit unstabil, es wird schwierig Rillen zu folgen (in Kurven und geradeaus), Vorderrad fällt in die Kurve, neigt dazu, sich bei weichem Boden reinzureissen.

Die Klicker der Federelemente beeinflussen die langsamen Fahrwerksbewegungen (mit Ausnahme der Verstellschrauben für die High-Speed Dämpfung)
Es ist deshalb falsch, ein Fahrwerk das einem zu hart scheint über die Klicker der Druckstufe weicher zu machen, oft erreicht man damit das Gegenteil.
Ist die Druckstufe zu weich und/oder die Zugstufe zu hart, dann „saugt“ sich das Motorrad über Bodenwellen nach unten, dort ist die Feder härter und das fühlt sich „harsch“ an.
Über die Klicker lässt sich vor allem auch das Kurvenverhalten beeinflussen. z.B. Wie sich die Gabel vor der Kurve stauchen lässt um leicht einzulenken (Verkürzung des Nachlaufs)und wie schnell sie beim Herausbeschleunigen streckt.
Wird der Radius beim Beschleunigen zu weit kann das an einer zu schwachen Ausdämpfung liegen, oder auch an einer falschen Körperhaltung (Ist die Ausdämpfung zu stark, so reisst das Vorderrad gerne in die Kurveninnenseite).
Es ist bis zu einem gewissen Grad möglich, falsche Körperhaltungen und falsches Timing des Fahrers mit Fahrwerkseinstellungen zu kompensieren, dies ist aber suboptimal.

2. Einstellen der Gabel

Wichtig: beim Einstellen der Dämpfung an der Gabel immer beidseitig die gleiche Einstellung wählen, ansonsten kann sich das Fahrverhalten drastisch verschlechtern !       
Ausnahme: Es gibt Gabelhersteller (Wilbers) bei deren Modellen z.T. die Druckstufe und Zugstufe separat je in einem Holm verbaut sind (z.B. an alten LC4 zu finden)

Einstellmöglichkeiten:

Federvorspannung: Durch Zwischenstücke
-Beeinflusst Renndurchhang und Negativ- und Positivfederweg
-sollte um 3 bis 4 cm liegen.

Gabelüberstand bei oberen Gabelbrücke: Gabel kann höher oder tiefer montiert werden
-Beeinflusst Lage des Bikes ohne den Durchhang zu beeinflussen
–Vorn zu tief: Vorderrad gräbt, in die kurve reissen, Geradeauslauf schlecht
–Vorn zu hoch: unwilliges Einlenken, Geradeauslauf gut

Federhärte: Verschiedene Federn erhältlich
-hängt von Fahrergewicht ab

Progressivität: der Ölstand beinflusst  das Luftvolumen
-Hoher Oelstand: Supercross, sehr progressiv
-Tiefer Oelstand: Enduro, arbeitet auf dem gesammten Federweg gut, sanft.

Statische Druckstufendämpfung (slow-Compression):
meist Schraube unten an der Gabel

Voll eingeschraubt = stärkste Dämpfung
-Beinflusst langsame Tauchbewegung
–zu stark: Federweg nicht ausgenutzt, spricht schlecht an, fühlt sich hart an
–zu schwach: taucht stark beim Bremsen und schlägt oft durch
Federweg sollte ausgenutzt werden

Dynamische Druckstufe (fast-Compression):
Grundeinstellung durch Zusammenstellung der Shims im Bodenventil und MV
-beeinflusst schnelle Tauchbewegung
–braucht viel Erfahrung beim Ändern, bringt aber viel —> Fachwerkstatt

Statische und Dynamische Zugstufe: beeiflusst Ausfedern
Statische von aussen einstellbar oben an Gabel

Voll eingeschraubt = stärkste Dämpfung
-zu stark: Rad folgt schlecht Unebenheiten, schwierig Spurrillen zu folgen
-zu schwach: unruhig bis gefährlich, wheelt oft auf

Losbrechmoment: Sofort spürbar beim Einfedern von Hand, der Einfluss auf das Fahrverhalten wird aber oft überbewertet
-kontrollieren ob Gabel nicht verdreht ist
-kontrollieren ob ein Holm krumm ist, wenn ja: ersetzen!
-kontrollieren ob die Achse verspannt geklemmt ist (lösen, durchfedern, anziehen)
-eine neue Gabel läuft meist schlechter
-oft ist das Spiel etwas knapp, gegebenenfalls etwas vergrössern (z.B. äusseres Gleitmetal aussen etwas abdrehen). Zu grosses Spiel birgt aber die Gefahr des Verkantens der Gabel
-gutes Gabelöl (immer auf Viskosität achten!!! Normal ist meist 5W)
-mit teurem Tuning zu bekämpfen(Titannitrierung: Goldfarben; und andere…), Geld und Aufwand lieber in gute Abstimmung stecken

Weiteres: Gabel auf Dünnes Gabeloel (5w) abstimmen, da sich bei
dickem Oel die Viskositaet mit steigender Temperatur schneller abnimmt
und so die Dämpfung während des Betriebs schwächer wird

3. Einstellen des Federbeins

Einstellmöglichkeiten:

Federvorspannung: Durch drehen des Federspanners mittels Hakenschlüssel
-Beeinflusst Renndurchhang, so wie Negativ- und Positivfederweg

Federhärte: Verschiedene Federn erhältlich
-hängt von Fahrergewicht ab

Progressivität: Gegeben durch Geometrie der Umlenkhebelei
-Bei Tuningfirmen sind z.T. Hebeleien mit anderen Geometrien erhältlich

Statische Druckstufendämpfung: (slow-Compression)
meist Schraube am Ausgleichsbehälter

Voll eingeschraubt = stärkste Dämpfung
-Beinflusst langsame Tauchbewegung
— zu stark: Federweg nicht ausgenutzt, spricht schlecht an, fühlt sich hart an, schlechte Traktion
— zu schwach: Beim Landen und in Kompressionen federt es tief ein, schlägt oft durch ! Federweg sollte ausgenutzt werden

Dynamische Druckstufe: (fast-Compression)

meist Schlitzschraube in der Mitte der Sechskantschraube am Behälter

die Grundeinstellung erfolgt jedoch durch die Zusammenstellun der Shims im Inneren des Federbeins

Voll eingeschraubt = stärkste Dämpfung

– beeinflusst schnelles Einfedern
– wie bei der slow-comp, aber für höhere Geschwindigkeiten

Statische und Dynamische Zugstufe:

beeinflusst Ausfedern
meist
Schlitzschraube unten am Federbein

Voll eingeschraubt = stärkste Dämpfung
-zu stark: Rad folgt schlecht Unebenheiten, schlechte Traktion, fühlt sich hart an, da bei Wellen das Rad zuwenig Zeit hat, wieder Auszufedern und sich so im Bereich härterer Progression befindet.
-zu schwach: unruhig bis gefährlich, hüpft herum, neigt zu Vorderradlandungen